Wir Mediengestalter legen ganz besonderen Wert auf Farbe. Dabei sprechen wir nicht nur über die Bedeutung einzelner Farben, wie der Harmonie des beruhigenden Grüns. Besonders die Physik interessiert uns Auszubildende.
Licht- und Körperfarben sollten wir unterscheiden können. Die Begriffe additiv und subtraktiv wollen erklärt werden. Wo entsteht Farbe? Warum wird eine Farbe »kälter«, je »wärmer« sie wird? Was versteht man unter »autotypischer Farbmischung«? Und was sind »schmutzige Farben«?
In unserem mehrteiligen Blog-Tutorial zur Farbtheorie erfahrt ihr, was für das Verständnis von Farben in der Mediengestaltung wichtig ist. Im ersten Artikel gibt’s Infos zur Lichtfarbe.
Das sichtbare Spektrum
Lichtfarbe ist das farbige Auftreten eines Lichtstrahls. Das Licht besteht aus elektromagnetischen Schwingungen. Diese erzeugen das sogenannte »sichtbare Spektrum«: Die unterschiedlichen Wellenlängen bestimmen, in welchen Farben wir das Licht wahrnehmen.
Macht euch da bewusst, dass die Physik zwar vom »sichtbaren Spektrum« spricht, aber nur die für das menschliche Auge wahrnehmbaren Spektralfarben meint. Ihr findet sie in einem Bereich zwischen ca. 380 Nanometern (violett-blau) und ca. 780 Nanometern (rot). Ganz schön egoistisch …
Die lieben Tiere
Insekten, Fische, Reptilien und Vögel nehmen andere bzw. mehr Farben wahr als wir Humanoiden. Diese Farben sind im sichtbaren Spektrum nicht enthalten. Eure vom Raubtier abstammenden Haustiere Katze und Hund sehen wie ihre wilden Verwandten weniger Farben als wir. Ihr Farbspektrum ist also kleiner als unseres. Die flinke Miez zum Beispiel sieht Rottöne als Dunkelgrau. Dieses Individuum hier wird also meinen, ihre weihnachtsmännische Beute sei genauso gefärbt wie sie: schwarz-weiß.
Für die Katze stimmt das ja auch. Für uns Menschen, die wir rote Farbe wahrnehmen können, weniger. Signalgelbe Warnstreifen von Wespe und Hornisse erkennt die Katze dagegen übrigens ziemlich gut. Eigentlich. Wer trotzdem auf das fies stechende Insekt einschlägt und erst dann wirklich hinguckt, was da eigentlich im Pfötchen hängt, ist echt selber schuld. >.>
Huftiere wie Pferde und Kühe sind nahezu farbenblind. Ihre Welt ist langweilig grau. Für ein Fluchttier ist diese Tristheit gar nicht schlimm. Viel mehr rettet sie das eigene Leben. Farbenblinde Wesen nehmen Bewegungen nämlich viel schneller wahr. Sie werden nicht vom bunten Zeug abgelenkt, das überall herumliegt, -rennt und -fliegt. Das hilft ihnen, Räuber frühzeitig zu entdecken. Wer viel Buntes sieht, lässt in Feindesland also eher sein Leben. Verlassen wir die lustige Tierparade und kommen zum Thema zurück:
Licht = Helligkeit? Nein!
Das weiter oben beschriebene »sichtbare Spektrum« können weder Mensch noch Tier wahrnehmen. Es wird erst durch’s Auftreffen der elektromagnetischen Schwingungen auf einen oder Hindurchfiltern durch einen Körper sichtbar. Anders ausgedrückt: Am Tag ist’s nicht hell, weil die Sonne Licht in die Welt schickt. Helligkeit entsteht erst durch das Reflektieren und Absorbieren des Lichts durch Hindernisse.
Strahlt eine Lichtquelle in einen Bereich ohne Körper, ist das Licht nicht sichtbar. Zum Beispiel schickt die Sonne Lichtwellen ins Weltall. Da dort keine Möglichkeit zur Reflexion besteht, denn es ist keine Materie zum filtern und reflektieren vorhanden, ist’s halt zappenduster. Trifft das Licht der Sonne auf einen Körper wie den Mond, reflektiert der die Lichtwellen aufgrund seiner physischen Beschaffenheit. So erscheint er uns als heller Körper.
Die Erde funktioniert als Beispiel nicht, da sie eine Atmosphäre besitzt, in der kleinste Teilchen das Licht reflektieren und filtern. Dadurch entstehen beispielsweise der blaue Himmel oder das Rot des Sonnenuntergangs. Letzteres kommt zustande, weil das Licht der Sonne kurz vor dem Verschwinden einen seeehr langen Weg durch die Atmosphäre zurücklegt. Je länger der ist, desto mehr Lichtwellen werden herausgefiltert. Am Ende sind nur noch die rötlichen langen Lichtwellen übrig. Merke: Je mehr Dreck in der Luft, desto romantischer der Sonnenuntergang.
Wie werden Lichtfarben sichtbar?
Um die Farben im weißen Licht sichtbar zu machen, benötigen wir also einen Körper mit Filter- oder Ablenkungsfähigkeit. Das klassische Beispiel ist das Prisma. Diesen durchsichtigen Gegenstand kennt ihr vielleicht noch aus dem Physikunterricht.
Schicken wir Tageslicht durch das Prisma, durchlaufen die einzelnen Wellenlängen des Spektrums den Gegenstand auf unterschiedlichen Wegen. So werden sie verschieden stark abgelenkt. Am anderen Ende des Prismas treten sie dadurch in jeweils anderen Winkeln wieder aus: Die einzelnen Lichtwellen, die alle zusammen aufs Prisma fallen, werden aufgesplittet und abgelenkt. Dadurch wird ihre farbige Eigenschaft sichtbar. Hinter unserem Prisma erscheint das Spektrum vom kurzwelligen Violett und Blau über Cyan, Grün, Gelb, Orange und Rot.
Merke: Die Farben, aus denen sich Licht zusammensetzt, sind »nur« Blau, Grün und Rot. Die Abkürzung dieser Primärfarben dürfte euch bereits in Grafikprogrammen begegnet sein: RGB.
Alle anderen Farben, wie beispielsweise Cyan, sind Sekundärfarben des additiven Farbsegments. Sie entstehen durch die Mischung der drei Primärfarben, sind also nicht primär im Licht enthalten.
Immer Ärger mit Magenta …
Als weitere Besonderheit legen wir euch die Mischfarbe Magenta ans Herz. Seht euch das Spektrum oben genauer an. Wo findet ihr dort Magenta?
Richtig: Diese schreiende pink-violett-artige Mädchenfarbe ist im Spektrum nicht enthalten! Dem Himmel sei dank! -^^- Nur, wie kann das sein? Schließlich mischt sich Magenta aus Blau und Rot, die man im Spektrum findet.
Die Antwort ist simpel: Rot taucht dank seiner ausgedehnten Wellenlängen ganz am Ende des Spektrums auf. Von da geht es in das fürs menschliche Auge unsichtbare Infrarot über. Ganz am anderen Ende findet ihr Blau mit seinen kurzen Wellenlängen, das in Violett und Ultraviolett überläuft. Da Rot und Blau stark unterschiedliche Wellenlängen haben, finden sie im sichtbaren Spektrum nicht zusammen und können sich nicht zu Magenta mischen.
Eine Möglichkeit, Magenta in den natürlich vorkommenden Lichtfarben sichtbar zu machen, besteht in der Verwendung eines Filters. Mit diesem filtern wir das mittelwellige Grün heraus und erhalten magentafarbenes Licht. Yay! \o/
Lichtfarben sind additive Farben
Lichtfarben werden auch »additive Farben« genannt. Warum das nun wieder? Wir erläutern es euch am Beispiel des guten alten Röhrenmonitors. Kennt der eine oder andere vielleicht noch: Das ist dieses nostalgische, irrsinnig sperrige Elektrogerät aus Omas Wohnzimmer. Hat man früher als Bildschirm oder TV-Gerät benutzt.
Der Bildschirm des Röhrenmonitors besteht aus vielen kleinen farbigen Lichtpunkten. Schaut mal durch eine Lupe drauf. Macht ihr das, werden diese Punkte sichtbar. Wenn der Bildschirm ein weißes Bild erzeugt, könnt ihr rot, grün und blau strahlende Lichtpunkte erkennen.
Sind also alle drei Primärfarben des Spektrums, also Rot, Grün und Blau, in dem ausgesendeten Licht enthalten, wird es weiß. Die Farben »addieren« sich also zu Weiß. So kommt der Begriff »additive Farbmischung« zustande. Umgekehrt subtrahieren sie sich zu schwarz. Je weniger strahlende RGB-Lichtwellen im Licht enthalten sind, desto dunkler wird es. Klar, schließlich ist es ohne Licht völlig dunkel.
Monochromatisches Licht
Jetzt wird’s klugs**eißerisch: Licht, das auf einer einzigen Wellenlänge liegt und folglich eine einzige Farbe sichtbar macht, nennt man »monochromatisches Licht«. Das Wort »monochromatisch« ist griechisch und bedeutet »eine Farbe«.
Das wichtigste Erscheinungsmerkmal von monochromatischem Licht ist: Es existiert nicht. Hah! Licht auf einer exakten Wellenlänge gibt es weder in der Natur, noch sind wir dazu in der Lage, es künstlich herzustellen. Ganz toll. Klasse. Wir reden hier über Dinge, die es nicht gibt. Naja, immerhin können wir uns an die Monochromatie annähern.
Möglichstes monochromatisches Licht erzeugen wir mittels eines Prismas (mal wieder), eines optischen Filters oder eines Beugungsgitters – den so genannten Monochromatoren. Verwendung findet diese Lichtform beispielsweise beim Röntgen. Ist also nicht wirklich existent, wird aber verwendet. Das verstehe mal einer … >.>
Warum müssen wir von Lichtfarben wissen?
Lichtfarben sind ein ziemlich spannendes Thema. In der Berufsschule gönnt man dem geneigten Mediengestalter nur einen winzigen Einblick in die wunderbare Welt der Lichtfarben. Weil man es »wissen muss«. Eigentlich ist’s mit den Farben eine interessante Angelegenheit. Vertieft euch unbedingt in das Thema! Ihr werdet es nicht bereuen.
Außerdem: Da wir an einem Bildschirm arbeiten und Internetseiten oder Apps gestalten, sollten wir auch Kenntnisse über die Farbdarstellung besitzen. Das hilft uns und euch dabei zu verstehen, dass Farben, wie wir sie am Bildschirm sehen, immer anders wirken als später im Druck. Denn beim Drucken wird eine andere Art der Farbmischung verwendet. Auch, dass eine Farbe an jedem Bildschirm anders erscheint und die Annäherung an Druckfarben dadurch erschwert wird, könnt ihr nun nachvollziehen.
Weitere Anwendungsbereiche der additiven Farbmischung bzw. Einsatzgebiete von Lichtfarben sind Fernsehgeräte und Digitalkameras. Und weil die Technik der Natur immer um einiges voraus sein will, finden wir bei den LCD-Fernsehern einer recht bekannten Marke nicht nur die Primärfarben Rot, Grün und Blau. Bei diesen Geräten mischen die Hersteller eine weitere (sekundäre) Farbe hinzu: Yellow alias Gelb. Dieses RGBY-System soll die Wiedergabe von gelbhaltigen Farbtönen erleichtern. Deren Darstellung ist am TV-Gerät nämlich etwas kritisch. Hilft uns bei der Vermittlung der Lichtfarb-Regeln allerdings nicht weiter. Gelb ist keine Primärfarbe und Punkt!
Ein kleines additives Farbmischungsbeispiel:
Rot + Grün = Gelb:
Blau + Grün = Cyan:
Rot + Blau = Magenta (im Spektrum nicht abbildbar!):
Rot + Grün + Blau = Weiß:
































